Einkaufen der Zukunft

Von André Trimpop


Einkaufen im Supermarkt – Der Wocheneinkauf gehört für die meisten Menschen zum Leben dazu, wie das Putzen der Wohnung am Wochenende oder das Pendeln zur Arbeit morgens und abends: Er ist und bleibt eine lästige Pflicht. Und jeder hat dabei so seine eigenen Regeln und Routinen entwickelt. Meine eher jüngeren Kollegen machen die Einkäufe so nebenbei. Auch wenn ich es hasse es zuzugeben, aber was den Wocheneinkauf angeht, bin ich ein Spießer – leider würde das meine Frau bestätigen. Denn bei den Trimpops gibt es eine Strategie: Mitte der Woche schaue ich die Angebote durch und mache mir Notizen – immerhin mit dem Smartphone – meine Frau und ich arbeiten mit der gleichen App, in der wir uns eine Einkaufsliste je Händler teilen. In meiner Illusion glaube ich, dass wir beide den aktuellen Einkaufsbedarf dort erfassen – in Wirklichkeit bin allerdings nur ich es, der hier Brokkoli, Joghurt, Butter, Salami und Milch reinwirft. Eine Einkaufsliste vorbereiten? Entspannung für mich, Nervkram für Sie. Es geht sogar so weit, dass ich pro Lebensmittelhändler die Dinge auf der Liste in die Reihenfolge sortiere, wie ich sie in den Gängen der jeweiligen Supermärkte vorfinde.

Freitagabends nach Feierabend startet dann das Vergnügen für mich: erst zum Discounter, dann in den Supermarkt und wenn nötig danach noch in die Drogerie. Mit Handy in der Hand bewaffnet, geht es durch die Gänge und der Einkaufswagen füllt sich – natürlich auch wieder mit Strategie, denn an der Kasse kommen als erstes die gut stapelbaren schweren Lebensmittel, danach die Dinge aus der Kühltheke und am Ende dann eher Obst und Chips. Warum? Weil ich ja nach dem Kassiervorgang schnell einräumen muss – direkt in die Kiste, die ich in den leeren Einkaufswagen gestellt habe. Sie kennen ja Kassiererinnen und Kassierer, die gefühlt zehn Gegenständen pro Sekunde scannen können und da muss es rasant gehen. Einen Rüffel weil ich nicht schnell genug bin, will ich mir nicht einfangen und die Tomaten sollen auch nicht von der Milch zerquetscht werden.

Schlussendlich kommt nun mein Lieblingsthema – das Bezahlen. Und ja, gerade gestern erst habe ich einen Endvierziger vor mir gehabt, und sie kennen den jetzt folgenden Dialog „Ich habe so viel Kleingeld“- „Nehme ich gerne.“ Ja – und dann holte er neben einem Zwanziger noch zwei Euro in Form von 50 Münzen Klimpergeld aus seinen Hosentaschen. Beim Bezahlen nutze ich Apple Pay, seit meine Bank das anbietet – komfortabel und einfach ohne PIN-Eingabe und ohne das Gerät aus der Hand zu geben. Dann nehme ich noch schnell den Kassenbon entgegen, raus aus dem Laden und die Kiste im Kofferraum verstaut.

Wäre mein obiger Erfahrungsbericht in einem Schulbuch abgedruckt, würde darunter nun die Aufgabe stehen: „Was sind die Schmerzpunkte in obigem Text, wie sieht für Dich der Einkauf der Zukunft aus?“

Wie sieht der Einkauf der Zukunft aus?
Der Innovationszug im Handel ist unterwegs. Das sieht man an vielen Stellen. Der Handel ist im Internet präsent. Dort findet sich oftmals mehr als ein reiner Storefinder mit Öffnungszeiten. Angebote können online recherchiert werden und zumindest in einigen Branchen starten Geschäfte mit Click and Collect Services.

Auch in den Supermärkten ändert sich die Landschaft: Bei vielen Ketten gibt es mittlerweile Self-Checkout Bereiche, in denen die Kundschaft selbst Artikel scannen und kassieren kann. Auch die Auszeichnungsetiketten an den Regalen werden zunehmend digital.

Doch bis jetzt sind das alles nur kleine Veränderungen; der große Wurf steht noch bevor. Viele Menschen – insbesondere die Generation Y – sind davon überzeugt, dass es zukünftig gar keinen stationären Handel mehr geben muss. Und wenn ich dann in meinen Einkaufswagen blicke – da sind jede Woche 90% die gleichen Dinge drin- stimme ich in diesen Gesang mit ein.

Warum geht es mit der Digitalisierung insbesondere im Lebensmittel Einzelhandel nicht schneller voran? An fehlenden Ideen liegt es nicht.

Self Scan
Das Ausland ist hier bereits weiter. In einigen Ländern ist es mittlerweile Usus, dass in großen Supermärkten von insgesamt 40 Kassen 20 als Self Scan Terminals angeboten werden, bei denen die Kunden auf kleinstem Raum ihre Artikel selbst scannen und bezahlen. Wer mehr Platz braucht verwendet die 10 Terminals, bei denen es sogar ein eigenes Kassenband gibt. Der Kunde darf sich mit seinen Waren also breitmachen. Und dann gibt es am Ende noch 10 klassische Kassen, bei denen das Personal scannt und kassiert. Gründe für die Kunden selbst zu scannen? Kürzere Wartezeiten und vor allen Dingen kein Druck durch Kassenpersonal und weitere Kunden.

Scan and Go
Viele Händler wollen allerdings die Kassenzone komplett überflüssig machen. Wieso also nicht einfach die Kundschaft selbst scannen lassen; entweder mit dem Smartphone oder mit speziellen Scannern, die extra dafür entwickelt sind. Hier lassen sich auch fantastisch Loyalty Programme integrieren und das sogar in Echtzeit. Die Kundschaft kauft ein und während des Einkaufs werden bereits Rabatte angerechnet und Coupons ausgespielt. Wenn die Menschen nicht an einer Kasse anstehen müssen, entfällt auch dieser Schmerzpunkt. Am Ende gehen sie aus dem Laden und haben bezahlt. Perfekt.

Digitaler Kassenbon
Dass es nur wenige Händler geschafft haben, den Kassenbon zu digitalisieren ist verwunderlich. Natürlich muss der Gesetzgeber den Rahmen schaffen, dass Fiskalisierung und auch Rückgaberechte gesetzmäßig funktionieren. „Rückgabe nur mit Kassenbon“ – was für ein Witz im heutigen Zeitalter. Neben der einfachen Archivierung der Bons in einem Portal oder in einer App würden sich eine ganze Reihe von weiteren Geschäftsfeldern erschließen. Dienstleister könnten Preisvergleiche auf Basis der Kassenbondaten vornehmen und der Kundschaft Tipps für den zukünftigen Einkauf geben. Coupons könnten viel individueller und zielgerichteter verteilt werden. Händler und Hersteller könnten Produkte direkt von den Menschen bewerten lassen, die sie auch nutzen. Dafür kann es dann gerne Punkte, Coupons, etc. als Anreiz geben.

Click and Collect / Click and Deliver
Ja, ich gebe es zu, ich gehe eigentlich ganz gerne am Freitagabend einkaufen. Ich suche immer das ein oder andere Teil, was nicht auf der Einkaufsliste steht und das dann doch irgendwie den Weg in den Einkaufswagen findet. Das sind Erlebnisse, die das Einkaufen für mich spannend machen. Nicht Milch, Joghurt und der Ananas-Mandel-Käse, den die Kinder auf ihr Schulbrot wollen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn es endlich viel mehr benutzerfreundliche Services geben würde, mit denen sich der Einkauf bequem vom Tablett oder Handy aus erledigen lassen würde. Entweder direkt zum Abholen beim Supermarkt nah Feierabend oder sogar mit Lieferung frei Haus. Da gibt es dann die Artikel, die regelmäßig anzuliefern sind und die Artikel, die bei Bedarf in den digitalen Warenkorb gelegt werden. Amazon hat hier mit den Dashbuttons schon Pionierarbeit geleistet – allerdings nur beim Online Shopping.

1984 – Zukunftsvisionen
Und dann gibt es da die echten Zukunftsvisionen, in denen das Smart Home genau weiß, was der Mensch braucht. Erste Ansätze gibt es ja bereits heute; da ist der Kühlschrank in der Lage zu sagen, dass die Milch bald abläuft. In Zeiten, in denen die Milch standardmäßig in der ESL-Variante im Kühlregal steht und nicht wie früher nach 2 Tagen bereits schlecht wird, hat das aber irgendwie an Relevanz verloren.

Das Zukunftssystem kennt die Vorlieben der Menschen, weiß über den aktuellen Bestand und Bedarf an Lebensmitteln Bescheid. Das System lernt dazu. Es kennt die Blutfettwerte der Kundschaft und auch den Tarif der Krankenkasse. Daher kann es auch selbst entscheiden, ob besser Leberwurst oder Leinsamen geordert wird.

So überzogen das klingt, an dieser Stelle darf nicht vergessen werden, dass die Gesellschaft die Aufgabe hat, kritisch Grenzen zu definieren. Die Kundschaft muss die Wahl haben, wie weit sie gehen möchte.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Einkaufen.

Über den Autor:

André Trimpop ist seit über 15 Jahren Experte im Bereich Payment und kennt die Herausforderung des Marktes hinsichtlich digitaler Transformation genau. Als Product Owner bei Ingenico Marketing Solutions berät er große Unternehmen, wie diese innovativ und konsumentenorientiert auf die sich stets ändernden Bedürfnisse ihrer Zielgruppen in den Bereichen Loyalty und Payment hinwirken können. Sie erreichen ihn per E-Mail unter andre.trimpop@ingenico.com

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